Fortes Argument ist eine Arbeitsteilung: Das biologische Gedächtnis ist dafür da, Ideen zu haben, nicht, sie aufzubewahren. Seine Methodik ordnet erfasstes Material nach Handlungsbezug mit der PARA-Struktur aus Projekten, Verantwortungsbereichen (Areas), Ressourcen und Archiven und führt Notizen durch einen Ablauf, den er als CODE zusammenfasst: Capture, Organize, Distill, Express. Das Verdichten geschieht per progressiver Zusammenfassung, geschichteten Markierungen, durch die der Kern einer Notiz auf einen Blick hervortritt.
Das Konzept versteht man am besten als moderne Verpackung einer alten Traditionslinie, die von den Commonplace Books bis zu Luhmanns Zettelkasten reicht. Verändert haben sich die Erfassungskosten: Web-Textmarker, Später-lesen-Apps und Synchronisation machen den Zufluss nahezu kostenlos, was die eigentliche Arbeit zum Verdichten und Ausdrücken verschiebt, den Schritten, in denen Generieren und Abrufen tatsächlich Lernen erzeugen.
Ein Second Brain ergänzt das erste, es ersetzt es nicht. Referenzmaterial auszulagern befreit das Arbeitsgedächtnis fürs Denken, doch Verständnis muss weiterhin innerlich aufgebaut werden, durch Erinnern, Erklären und Anwenden. Die Systeme, die funktionieren, behandeln das Archiv als Werkstatt für künftige Ergebnisse, nicht als Museum von allem, was je gelesen wurde.